Das Konzept der offenen Türen in der Akutpsychiatrie. Rechtliche Aspekte und Wirkungen auf Zwangsmaßnahmen und Zwangsbehandlungen von Patienten
Cedric Butze
Diplomica Verlag
2018
pokkari
Ein geschlossenes psychiatrisches Setting bedeutet Zwang: Besonders in der Akutversorgung werden Zwangsmanahmen durchgefuhrt. Trotz grundlegender Veranderungen durch Reformen der letzten Jahrzehnte in den entwickelten Landern bezuglich der Behandlung von Patienten ist Zwang in der deutschen Psychiatrie noch immer weit verbreitet. Nach aktueller Studienlage sind Patienten auf geschlossenen psychiatrischen Akutstationen besonders stark von Zwangsmanahmen und Zwangsmedikation betroffen, obwohl jede Zwangsbehandlung sowie jede Zwangsmanahme einen gravierenden Grundrechtseingriff darstellt. In der psychiatrischen Praxis scheint das Bewusstsein dafur nicht durchgangig vorhanden zu sein und so gibt es noch immer Mangel sowie einen groen Handlungsbedarf bezuglich dieses ethisch brisanten Themas. Vor diesem Hintergrund ist ein Umdenken entstanden, das sich dadurch auszeichnet, Zwang, Turschlieung, Restriktion und Isolation in der Behandlung psychiatrisch erkrankter Menschen zu reduzieren Eine konkrete Losung der Problemstellung konnte das Konzept der "offenen Tur" in der Psychiatrie sein, welches in den letzten Jahren oft diskutiert wurde und in bereits mindestens zwanzig (von insgesamt ca. 400) psychiatrischen Kliniken in Deutschland praktiziert wird. Daruber hinaus spielt eine fruhzeitige Wiedereingliederung in die Gemeinschaft eine tragende Rolle. Das bedeutet beispielsweise, dass die Betroffenen schon wahrend des Klinikaufenthaltes Zugang zu gemeindeintegrierten, ambulanten und komplementaren Angeboten erhalten oder versucht wird, akutpsychiatrische Patienten generell langer im ambulanten und hauslichen Setting zu behandeln und zu versorgen, anstatt die Betroffenen stationar zu isolieren. Die Psychiatrie steht deshalb auch in Zukunft vor groen Aufgaben und Herausforderungen, um sich als ein modernes medizinisches Fach zu positionieren, zu entstigmatisieren und um die Selbstbestimmungsrechte und Autonomie der Patienten zu wahren.