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Kirjailija
Gilbert Ziebura
Kirjat ja teokset yhdessä paikassa: 5 kirjaa, julkaisuja vuosilta 1960–2003, suosituimpiin kuuluu Frankreich-Jahrbuch 1988. Vertaile teosten hintoja ja tarkista saatavuus suomalaisista kirjakaupoista.
Gilbert Ziebura hat das Konzept der Gesellschaftsformation entwickelt. Mit diesem gesamtgesellschaftlichen Ansatz werden historisch-kritisch Politik, Gesellschaft und Wirtschaft Frankreichs in ihren gegenseitigen Bezügen und Bedingtheiten analysiert.
Um es offen herauszusagen: Dieses Buch verspricht keine beschauliche Feierabend-Lektüre. Das liegt am Gegenstand, aber auch an der Art und Weise, wie die Autoren ihn behandeln. Es liegt vor allem an den Schlußfolge rungen, zu denen sie gelangen. Wir verhehlen nicht, daß sie eine kritische Ge genposition zu jener Sicht der Dinge darstellen, die dem/ der Leserln übli cherweise aus den Medien entgegenschallt. Sie ist dadurch gekennzeichnet, daß zwar fortwährend von den "Umbrüchen in der Weltpolitik" und von der "größeren weltpolitischen Verantwortung der Deutschen" die Rede ist, daß aber kaum zu Ende gedacht wird, was derartige Aussagen in Wahrheit bedeu ten. Die Gefahr wächst, daß die Augen bewußt verschlossen werden, um die Auswirkungen, die diese gewaltigen Veränderungen bis in das persönliche Le ben haben, nicht ernst nehmen zu müssen. Hinzu kommt, daß unsere postmo derne Informationsgesellschaft dazu neigt, den Ereignissen die Spitze zu neh men, sie zu verschleiern, zumindest aber zu relativieren, nicht selten sogar zu verfälschen. Plötzlich leben wir mit Umbrüchen, als wären es Verkehrsun fälle. War der Golfkrieg nicht wenige Monate nach seinem Ende schon wieder vergessen? Unser Buch versucht, gegen diese Form der "Bewältigung" von Prozes sen vorzugehen, von denen es in Sonntagsreden immer wieder heißt, sie hätten "historische Bedeutung". Das geschieht in doppelter Weise. Zum einen geht es darum, die Natur der Umbrüche genauer in den Griff zu bekommen und zwar sowohl auf der globalen wie auf der europäisch-regionalen und schließlich, aber erst dann, auf der deutschlandspezifischen Ebene.
Gilbert Ziebura wurde 1964 durch die Freie Universitiit Berlin auf einen der er sten Lehrstiihle ffir Internationale Politik in Deutschland berufen. Sein Wirken hat das Fach nachhaltig beeinfluBt: Beinahe ein Drittel derer, die gegenwiirtig an Uni- versitiiten in der Bundesrepublik und West-Berlin internationale Beziehungen unterrichten, sind durch seine Schule gegangen. Das Fachgebiet selbst veriinderte sieh unter seinem EinfluB: Neben das Studium des internationalen Systems und der AuBenpolitik und ihrer Abhangigkeit von innenpolitischen und gesellschaftli- chen Faktoren traten die Analyse von Internationalisierungsprozessen und deren Auswirkungen auf die hiervon betroffenen Gesellschaftsformationen. Sein Ausgangspunkt war immer wieder Kehrs Frage nach der gesellschaftli- chen Bedingtheit von AuBenpolitik, die er zuniichst fUr Frankreieh zu beantworten suchte und spater in die deutsche Diskussion einbrachte. Er ebnete darnit den Weg fUr einen gesellschaftswissenschaftlich geniihrten Ansatz in der Analyse interna- tionaler Beziehungen, den er spiiter urn die Analyse der Polarisierungs-und An- passungsprozesse als Folgen der internationalen Arbeitsteilung zu einem eigenen Weltsystemansatz erweiterte (vgl. Ziebura 1984). Reduktionistischen theoreti- schen Interpretationen, die nur wenige Determinanten beriicksiehtigen, blieb er abhold. Er ist seiner Herkunft als Historiker stets treu geblieben, sowohl was das Hankwerkszeug als auch was die (verstehende) Methode anging: Immer ist es ihm urn die Gesamtschau zu tun gewesen.
Bekanntlich ist es für den Politologen besser, auf die Verfassungswirklich keit zu warten, bevor er es wagen sollte, ein neues Regierungssystem zu analysieren und zu interpretieren. Er weiß, daß der Regierungsprozeß in seiner Dynamik und unter dem Einfluß unvorhergesehener und unvorher sehbarer Faktoren oft Regeln gehorcht, die nicht unbedingt denen ent sprechen, die der Verfassungstext fixiert hat. Diese Vorsicht ist doppelt am Platze, wenn es sich um ein Regierungssystem wie das der V. Republik han delt, wo der Text der Verfassung herzlich wenig, die überragende Persön lichkeit eines Mannes dagegen fast alles zu bedeuten scheint. Was die Ver fassungstheorie anlangt, ist die Veränderung gegenüber der IV. Republik in der Tat einschneidend. Wer vermöchte aber heute zu sagen, ob und inwie weit es sich dabei um einen Bruch, um eine Wendung, um eine Wandlung im fundamentalen, historisch und sozial bedingten Verhalten der Franzosen handelt? Man hat allen Grund zum Mißtrauen. Hinter dem ständigen Wechsel der Regime in Frankreich verbarg sich, wenigstens bis zum Jahre 1958, eine durchaus sinnvolle Kontinuität. Diese gebotene Vorsicht darf nun aber nicht einen Vorwand zur Un tätigkeit liefern. Im Gegenteil schien es uns sinnvoll, zunächst einmal das Material zu sammeln und zuverläßlich zugänglich zu machen, das zum Ver ständnis der theoretischen Grundlagen und einiger konkreter Gegeben heiten des neuen Regimes unentbehrlich ist. Über die V. Republik ist schon viel geschrieben, aber es ist auch viel an ihr gesündigt worden.