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Leo N Tolstoi
Kirjat ja teokset yhdessä paikassa: 107 kirjaa, julkaisuja vuosilta 1973–2025, suosituimpiin kuuluu Begegnung mit dem Judentum. Vertaile teosten hintoja ja tarkista saatavuus suomalaisista kirjakaupoista.
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Kirjojen julkaisuvuodet: 1973–2025.
Die vorliegende Neuedition enth lt den abschlie enden vierten Teil eines Schriftenkreises, den Leo N. Tolstoi nach seiner Hinwendung zu "Christi Lehre" geschrieben hat. Dargeboten werden die fr heste und die sp teste Ganz bersetzung des Werkes ins Deutsche (Sophie Behr - Moskau 1885; Raphael L wenfeld - Diederichs Verlag 1902) sowie ein dokumentarisches Kapitel aus dem Werk des Biographen Pavel Birjukov. Eugen Drewermann erhellt in seiner Einleitung zu diesem Band die Botschaft des russischen Dichters: "Es gibt aus der Feder Tolstois keinen Text, der die Lehre Christi derart deutlich als eine im Grunde selbstverst ndliche Ethik in humanistischer Vernunft darstellen m chte, wie seine Schrift: 'Worin besteht mein Glaube' aus dem Jahre 1884. ... In Matth us 5,39 spricht Jesus die umst rzenden Worte: 'Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstehen sollt dem B sen.' - 'Pl tzlich, ' schreibt Tolstoi dazu, 'fa te ich zum ersten Mal diesen Vers direkt und einfach auf. Ich verstand, da Christus gerade das sagt, was er sagt. ...' ... Im Kampf gegen das B se wird das vormals (oder nur vorgeblich) Gute allemale selber b se, und das in jeweils gesteigerter Form: es wird von eben der Pest infiziert, die es auszurotten gedachte. - Vom Faustkeil bis zur Atombombe zeigt sich entlang der gesamten Menschheitsgeschichte die ungeheuerliche Auswirkung dieses Teufelskreises. Der zivilisatorische Fortschritt in Wissenschaft, Technik und Verwaltung hat die Welt nicht g tiger und menschlicher gemacht, sondern sie in einen schier unentrinnbaren Schlachthof verwandelt. Daraus befreien kann allein jene komplette Umkehrung unseres gewohnten Denkens und Handelns, die Jesus in der Bergpredigt erm glicht und fordert; sie allein deckt die horrende Unmenschlichkeit auf, die sich unter dem Galakost m b rgerlicher Normalit t verbirgt." Tolstoi-Friedensbibliothek Reihe A, Band 6 (Signatur TFb_A006) Herausgegeben von Peter B rger Korrektorat: Ingrid von Heiseler
Leo N. Tolstoi - aufgeschreckt durch die kirchliche Assistenz f r das milit rische Morden - studiert in den Jahren 1879-1884 die offizielle Dogmatik der mit dem Staat eng verbundenen Hierarchie. Zun chst geht diese Unternehmung durchaus noch mit einer kirchlichen Gesinnung einher. Doch die Lekt re des Lehrbuchs von Metropolit Makarij I. bewirkt eine durchgreifende Desillusionierung: "Wie kann ich noch an diese Kirche glauben, ... wenn sie auf die tiefsten Fragen des Menschen ... mit plumpen Betr gereien und albernem Humbug antwortet". Erst 1904 besorgte Carl Ritter auf der Grundlage einer zuverl ssigen Manuskriptfassung die vollst ndige bersetzung von Tolstois "Kritik der dogmatischen Theologie" in die deutsche Sprache. Nach ber 110 Jahren ist diese Gesamtausgabe mit der vorliegenden Edition (zwei Teile in einem Band) erstmals wieder in Buchsortimenten greifbar. In seinem Schlusswort formuliert der russische Christ eine scharfe Kritik der Priesterreligion: "Jetzt ist es klar, dass das Lehramt der Kirche ... zum rgsten Feinde des Christentums geworden ist. ... Die Lehre vom Lehramt der Kirche widerstreitet dem Christentum vollkommen. Indem die Kirche von dem Geiste der Lehre abgewichen ist, hat sie ihn so verf lscht, dass sie durch ihr ganzes Dasein zur absoluten Negation der Lehre gelangt ist: statt Selbstverleugnung - bt sie Selbst berhebung, statt der Armut - Luxus; statt niemanden zu verurteilen - verurteilt sie alle in der grausamsten Weise, statt Kr nkungen zu vergeben, entfacht sie Hass und Kriege, statt das B se zu dulden, mordet sie. Und alle verleugnen einander, nur nicht sich selbst." - Die "theologischen Streitigkeiten haben sich ... nur um Dinge gehandelt, die niemand n tig hat. ... Das Leben aber ist nie Gegenstand dieses Glaubens gewesen". Tolstoi-Friedensbibliothek Reihe A, Band 3 (Signatur TFb_A003) Bearbeitet von Peter B rger und Ingrid von Heiseler
Wenige Jahre nach seiner Hinwendung zu "Christi Lehre" erh lt Leo N. Tolstoi als Mitarbeiter der Moskauer Volksz hlung Anfang 1882 ersch tternde Einblicke in die elende Lage der Besitzlosen. Der beg terte Graf verliert die Illusion, eine karitative Hilfe von oben k nne das Geschick der Armen wenden. In seiner Schrift "Was sollen wir denn tun?" (geschrieben 1882-1886) beleuchtet er schonungslos den Widerspruch des eigenen Lebens: "Ich geh re der Klasse von Menschen an, welche durch allerlei Kunstst cke dem arbeitenden Volk das Notwendigste raubt, und die sich durch solche Kunstst cke den nie ausgehenden verzauberten Rubel verschafft haben, der diese Ungl cklichen dann wieder verf hrt. Ich will den Menschen helfen, und daher ist es zu allererst klar, dass ich zun chst einmal die Menschen nicht pl ndern, sie dann aber auch nicht verf hren darf. Statt dessen habe ich mir durch die kompliziertesten, listigsten, b sartigsten, durch Jahrhunderte bew hrten Kunstgriffe die Lage des Besitzers des nie ausgehenden Rubels geschaffen, das ist die Lage, bei der ich, ohne dass ich selbst je etwas zu arbeiten brauche, Hunderte, ja Tausende von Menschen zur Arbeit in meinem Dienste zwingen kann, was ich auch tue; und ich bilde mir ein, dass ich die Menschen bemitleide, dass ich ihnen helfen will. Ich sitze einem Menschen auf dem Nacken, habe ihn erdr ckt und verlange von ihm, er solle mich tragen. Dabei suche ich alle Menschen und mich selbst davon zu berzeugen, dass ich den Menschen sehr bemitleide, w hrend ich nicht daran denke, abzusteigen; ich behaupte, seine Lage durch alle nur m glichen Mittel erleichtern zu wollen, nur nicht durch das eine, dass ich von seinem Nacken heruntersteige." Tolstoi-Friedensbibliothek Reihe A, Band 7 (Signatur TFb_A007) Herausgegeben von Peter B rger
Am 24. Juli 1915 schickt der Philosoph Ludwig Wittgenstein dem Schriftsteller Ludwig von Ficker eine Buchempfehlung: "Sie leben sozusagen im Dunkel dahin und haben das erl sende Wort nicht gefunden. Und wenn ich, der ich so grundverschieden von Ihnen bin, etwas raten will, so scheint das vielleicht eine Eselei. Ich wage es aber trotzdem. Kennen Sie die 'Kurze Erl uterung des Evangeliums' von Tolstoj? Dieses Buch hat mich seinerzeit geradezu am Leben erhalten. W rden Sie sich dieses Buch kaufen und es lesen? Wenn Sie es nicht kennen, so k nnen Sie sich auch nicht denken, wie es auf den Menschen wirken kann." Bei der "Kurzen Darlegung des Evangeliums", hier neu ediert in der bersetzung von Paul Lauterbach (1892), handelt es sich um einen Auszug aus dem gro en Werk "Vereinigung und bersetzung der vier Evangelien" (Sojedinjenije i perewod tschetyrjoch Jewangeli, 1879-1881). Jesus erschlie t Leo N. Tolstoi zufolge die Einheit der menschlichen Familie und entlarvt die Gottlosigkeit jedes Krieges: "Wenn ihr es nur gut meint zu euren Landsleuten, werden alle es gleichfalls nur gut meinen zu ihren Landsleuten, und dies f hrt zu Kriegen. Ihr aber werdet zu allen V lkern dieselben sein und werdet S hne Gottes sein. Alle Menschen sind seine Kinder, folglich sind alle eure Br der ... Verhaltet euch zu fremden V lkern grade so, wie ich euch sagte ... F r den Vater aller Menschen gibt es keine Verschiedenheit der V lker, noch der Reiche: alle sind sie Br der, alle S hne eines Vaters. Unterscheidet nicht zwischen den Menschen nach Volk und Reich." Eingeleitet wird diese Neuedition mit einem Text von K te Gaede ber Tolstois Weg "vom Schriftsteller zum Bibelinterpreten" (1980). Tolstoi-Friedensbibliothek Reihe A, Band 4 (Signatur TFb_A004) Bearbeitet von Peter B rger und Thomas Nauerth
Der vorliegende Band erschlie t zwei unterschiedliche katechetische (religionsp dagogische) Schriften Leo N. Tolstois. In einem Brief vom 6. November 1877 schreibt der Dichter: "Vor ein paar Tagen war ich in einer Stunde dabei, als ein Priester Kindern den 'Katechismus' lehrte. Das war alles so widerlich. Es war so offensichtlich, dass die klugen Kinder diese Worte nicht nur nicht glauben konnten, sie konnten gar nicht anders, als sie zu verachten, deshalb wollte ich den Versuch wagen, in Form eines Katechismus das auszudr cken, was ich glaube". Zu jenem Zeitpunkt steht der Verfasser der Kirche noch nahe, betont jedoch: "Es gibt nur ein wahres Glaubenswissen, n mlich jenes, das allen Menschen gemeinsam ist". Der christliche Glaube sei "in dem Ma e wahr, wie er das in die Herzen der Menschen offenbarte Glaubenswissen offenlegt". Zwei Jahrzehnte sp ter beendet Tolstoi die Arbeit an dem kleinen Werk "Die Christliche Lehre" (1894-1897), das er in einer vorl ufigen Fassung zur Ver ffentlichung freigibt. Die zweite in dieser Neuedition enthaltene katechetische Schrift ist das Buch "Die christliche Lehre, dargelegt f r Kinder" (1908). Es geht darin um die Bibelarbeit mit den Evangelien, jedoch nicht immer wortgetreu. Jesus lehrt: "Es gibt nur einen Tempel Gottes, das sind die Herzen der Menschen, wenn sie einander lieben." Simon Petrus imponiert mit einem gleichsam tolstojanischen Christus-Bekenntnis: "Meiner Meinung nach lehrst du, dass der Geist Gottes in jedem Menschen lebt und dass deshalb jeder Mensch ein Sohn Gottes sei." Tolstoi-Friedensbibliothek Reihe A, Band 10 (Signatur TFb_A010) Herausgegeben von Peter B rger Editionsmitarbeit: Ingrid von Heiseler & Katrin Warnatzsch
In den Jahren 1879-1884 arbeitete Leo N. Tolstoi an seiner "Untersuchung der dogmatischen Theologie". 1891 ver ffentlichte L. Albert Hauff unter dem Titel "Vernunft und Dogma" eine bersetzung des ersten Teils des Werkes. Die vorliegende Neuedition dieser Ausgabe f r eine deutschsprachige Leserschaft enth lt im Anhang au erdem die Legende von den "drei Greisen" (1886), eine Darstellung von Pavel Birjukov zum theologiekritischen Selbststudium Tolstois (1909) sowie einen Text von Eugen Drewermann ("Das 'Unaussprechliche' als Gegenstand reiner Wortmagie", 1993). Eine Zeitlang versucht Tolstoi, im Raum der Kirche jene Glaubensspur weiterzuverfolgen, die einen Ausweg angesichts seiner Verzweiflung an der "Sinnlosigkeit" des eigenen Lebens er ffnet. Bei der Lekt re eines weit verbreiteten Dogmenhandbuches des Moskauer Metropoliten Makaraji tritt gro e Ern chterung ein: "Man denkt unwillk rlich, dass die einfachste, klarste Schlussfolgerung aus allen hervorgegangenen Streitigkeiten nur die eine sei, man solle keine Dummheiten reden, man solle vor allem nicht lehren, was niemand begreifen kann und, was noch wichtiger ist, man solle nicht darauf hin die haupts chlichsten Grundlagen des Glaubens, die Liebe und die Nachsicht f r den N chsten, ersch ttern." Bedeutsam sind f r den russischen Dichter nicht abstrakte Dispute, sondern der Schrei nach Erl sung und der Glaubenssinn der einfachen Christenmenschen: "Fragt einen Bauern, ein Weib, was die Dreifaltigkeit sei, so wird von zehn kaum einer antworten, und man kann nicht sagen, dass das von Unwissenheit herr hre. Fragt man aber, worin die Lehre Christi besteht, so antwortet jeder. Das Dogma der Dreifaltigkeit ist nicht kompliziert und nicht lang, warum also kennt es niemand? Deshalb, weil man nicht kennen kann, was keinen Sinn hat." -"Von hundert Frauen und M nnern aus dem Volke verstehen nicht mehr als drei die Personen der Dreieinigkeit herzuz hlen und nicht mehr als drei ig k nnen sagen, was die Dreieinigkeit sei, verstehe
Dieser Band enth lt die unzensierte Gesamtfassung von L. N. Tolstois Traktat "Was ist Kunst?" (abgeschlossen 1897/98). Bedenkliche Attacken gegen ber hmte Werke der europ ischen Moderne bilden keineswegs den Kern dieser Schrift. Der Verfasser m chte Wege bahnen f r eine allen zug ngliche "Kunst der Zukunft", die zur Einen Menschheitsfamilie f hrt: "Die Kunst unserer Zeit muss katholisch sein im reinen Sinne dieses Wortes, d.h. universell - und daher alle Menschen vereinigen." Ein Kultur- und Wissenschaftsbetrieb der "Siegestempel" dient den Kapitalinteressen und M chtigen. Er liefert "Werkzeuge zur Ausrottung der Menschen". Doch die Kunst soll sich dem ansteckenden "Heldentum der Liebe" widmen und der Gewalt wehren: "Nur die Kunst kann dies tun." "Warum heute 'Was ist Kunst' lesen?" - so fragt Marco A. Sorace in der Einleitung zu dieser Neuedition der bersetzung von Michail Feofanov (1902). "Ohne Zweifel nicht, um sich ber einzelne Positionen der sthetik oder Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts zu informieren - dar ber gibt es (auch aufgrund des n tigen zeitlichen Abstands) unterdessen besseres. Aber vielleicht hat in seiner Zeit kaum ein Zweiter die zivilisatorische Krise so ernst genommen und derma en radikal auf die Kunst bezogen wie Leo N. Tolstoi in diesem Text. Gegenw rtig, in unserer nicht minder krisenhaften Zeit kann Was ist Kunst? - die Fallstricke eines normativen und moralistischen Kunstverst ndnisses wohl beachtend - gelesen werden als ein dringender Aufruf, das ethische und gemeinschaftsstiftende Potenzial der Kunst neu zu heben." Tolstoi-Friedensbibliothek Reihe A, Band 11 (Signatur TFb_A011) Herausgegeben von Peter B rger Editionsmitarbeit: Bodo Bischof
"Wer sein Leben gewinnen will, der wird es verlieren." - Tolstois Schrift " ber das Leben" (1886/87), die erstaunlicherweise ganz dem Sprachduktus der Schulphilosophie folgt, kann als Auslegung dieses Bibelwortes gelesen werden: "Die Vernunft ist das Gesetz, dem zu ihrem Heil die animalische Pers nlichkeit des Menschen untergeordnet werden muss. Die Liebe ist die einzige vern nftige T tigkeit des Menschen. Die animalische Pers nlichkeit wird zum Gl ck hingezogen; die Vernunft enth llt dem Menschen das Tr gerische des (animalisch-selbstsichernden) Gl cks und weist einen Ausweg. Die T tigkeit auf diesem Wege ist die Liebe. ... Das vern nftige Bewusstsein zeigt dem Menschen die Elendigkeit aller untereinander k mpfenden Wesen, zeigt ihm, dass es ein Gl ck f r seine animalische Pers nlichkeit nicht geben k nne, zeigt ihm, dass das einzige f r ihn m gliche Gl ck nur ein solches sein k nne, bei dem es weder einen Kampf mit andern Wesen gebe noch ein Aufh ren des Gl cks, ... weder Voraussicht des Todes noch Todesfurcht. Und da findet nun der Mensch, als einen Schl ssel, der nur f r dies Schloss angefertigt ist, in seiner Seele ein Gef hl, das ihm gerade das Gl ck schenkt, auf das ihn ... die Vernunft hinweist. Und dies Gef hl l st ... den fr heren Widerspruch des Lebens ... Die (animalisch-selbstsichernden) Pers nlichkeiten wollen die Pers nlichkeit des Menschen f r ihre Zwecke benutzen. Aber das Gef hl der Liebe zieht ihn dahin, dass er seine Existenz zum Besten anderer Wesen hingibt. ... Indem die animalische Pers nlichkeit zum Gl ck strebt, strebt sie mit jedem Atemzuge dem gr ten bel - dem Tode - zu, dessen Voraussicht jedes Gl ck der Pers nlichkeit zerst rte. Aber das Gef hl der Liebe vernichtet nicht nur diese Furcht, sondern treibt den Menschen sogar zur Selbstverleugnung ... zum Heile anderer." Tolstoi-Friedensbibliothek Reihe A, Band 8 (Signatur TFb_A008) Herausgegeben von Peter B rger
Dieser Sammelband erschlie t Texte Leo Tolstois (1828-1910) ber die Weisung "Bek mpft nicht B ses mit B sem", die er neben dem grundlegenden Werk "Das Reich Gottes ist in euch" und im Anschluss an dieses verfasst hat - darunter auch den "Brief an einen Hindu" (1908) sowie seinen Austausch mit Mahatma Gandhi (1909/10). Den ethischen Traktaten (Sprache der Moral) ist die "Sprache der Weisheit" zur Seite gestellt: "Jede Gewalt widerstrebt der Vernunft und der Liebe. Nehme keinen Anteil an ihr." Die Kritiker werfen dem Liebhaber der Bergpredigt vor, sich hinsichtlich der Verbrechen und Leiden in der Geschichte bequem auf eine Zuschauerrolle zur ckzuziehen (Tatenlosigkeit, Weltflucht etc.). Im Fall von Tolstoi wirkt ein solcher Vorwurf geradezu absurd, wenn man bedenkt, wie dieser sich ber Jahrzehnte hin - f rmlich bis hin zum letzten Atemzug - gegen Todesstrafe, Krieg, Hungersnot, Repressionsapparate und soziales Unrecht engagiert hat. Die Anh nger des Gewalt-Aberglaubens m ssen sein Verst ndnis des "Nichtwiderstrebens" mutwillig verzerren, um von Passivit t und fehlender Anteilnahme sprechen zu k nnen. Im April 1890 schreibt Tolstoi dar ber: "Man verwechselt (absichtlich, wie es mir scheint) das Wort 'Widersetze dich nicht dem B sen durch B ses' mit 'Widersetze dich nicht dem B sen', d.h. mit 'Sei gleichg ltig dem B sen gegen ber'. W hrend der Kampf gegen das B se das einzige Ziel des Christentums ist, und das Gebot vom 'dem B sen nicht widerstreben' als das wirksamste Kampfmittel gegeben ist." Ohne Hinwendung zur Gewaltfreiheit gibt es Tolstoi zufolge f r die menschliche Familie keine Zukunft: "Begreift, dass die Erf llung des von uns erkannten h chsten Gesetzes der Liebe, das die Gewalt ausschlie t, zu unserer Zeit f r uns ebenso unvermeidlich ist, wie es f r die V gel unvermeidlich ist, umherzufliegen und Nester zu bauen." Tolstoi-Friedensbibliothek Reihe B, Band 5 (Signatur TFb_B005) Herausgegeben von Peter B rger
"Ich bin wie jener Mann auf dem Tender eines in den Abgrund rasenden Zuges, der entsetzt erkennt, er vermag den Zug nicht zum Stehen zu bringen. Die Fahrg ste hingegen entsetzten sich erst, als die Katastrophe geschehen war." - Der vorliegende Sammelband erschlie t ausgew hlte "Pazifistische Betrachtungen und Aufrufe" von Leo N. Tolstoi (1828-1910). In einem Brief an ihren engsten Mitstreiter meinte Bertha von Suttner 1909, der russische Dichter sei doch "eigentlich der Konsequenteste aller Kriegshasser". Dessen Distanz zur b rgerlichen Friedensbewegung mit ihren Versammlungen und staatstragenden Forderungskatalogen lag offen zutage. Im gleichen Jahr verfasste Tolstoi eine Rede, die er auf dem Internationalen Friedenskongress in Stockholm halten wollte: "Die Menschheit ... ist zu einem so schroffen Widerspruch zwischen ihren sittlichen Forderungen und der bestehenden Gesellschaftsordnung gelangt, dass unbedingt eines ge ndert werden muss, ... was wohl ge ndert werden kann: die Gesellschaftsordnung. Diese nderung, die der innere Widerspruch gebietet, der in der Vorbereitung zum Morde besonders scharf zu Tage tritt, wird ... von Tag zu Tag immer dringender. Die Spannung, die diese bevorstehende nderung seit langem erzeugt, hat heute schon einen solchen Grad erlangt, dass ... es zum bergang aus jenem grausamen und unvern nftigen Leben der Menschen mit seiner Absonderung, seinen R stungen und Armeen, zu einem vern nftigen, den Forderungen der Erkenntnis der jetzigen Menschheit entsprechenden Leben m glicherweise nur einer geringen Anstrengung, vielleicht nur eines Wortes bedarf. ... So, wie im M rchen Andersens, als beim feierlichen Umzuge der K nig durch die Stra en der Stadt ging, ... das Wort eines Kindes, das aussprach, was alle wussten ..., alles ge ndert hat: Er hat ja gar nichts an. ... Die Menschen werden ... aufh ren, im Krieg den Vaterlandsdienst, den Heldenmut, den Kriegsruhm, den Patriotismus zu sehen, und werden sehen, was da ist: die nackte frevelhafte
Mit seinen religi sen und sozialkritischen Schriften erreichte der Dichter Leo N. Tolstoi (1828-1910) schon zu Lebzeiten eine Leserschaft auf dem ganzen Globus. Die aus Russland kommende Botschaft der Gewaltfreiheit inspirierte viele Menschen zu einem neuen Weg der Befreiung. Sie hat zeitweilig sogar die "Weltgeschichte" mit ver ndert. ber das hier neu edierte Werk aus dem Jahr 1893 vermerkt der Inder Mohandas Karamchand Gandhi in seiner Autobiographie: "Tolstois 'Das Reich Gottes ist inwendig in euch' berw ltigte mich. Vor der Unabh ngigkeit des Denkens, der tiefen Moralit t und Wahrheitsliebe dieses Buches schienen alle mir von Mr. Coates (einem befreundeten Qu ker) gegebenen B cher zur Bedeutungslosigkeit zu verblassen." Jetzt liegt nach ber hundert Jahren endlich wieder eine ungek rzte Neuauflage vor. Der bersetzer Raphael L wenfeld ber cksichtigte 1894 in der ersten deutschen Ausgabe als Zusatz einen urspr nglich vom Verfasser selbst erwogenen Titel: "Christi Lehre und die allgemeine Wehrpflicht." Es geht nicht um harmlose Erbauungsliteratur, sondern um die Wiedergewinnung eines subversiven Christentums, das keinen Pakt mit den M chtigen eingeht und die herrschenden Besitzverh ltnisse nicht segnet. Im Zentrum steht eine Fundamentalkritik von staatlicher Gewalt, Krieg und Militarismus: "F lle der Verweigerung der Erf llung staatlicher Forderungen, die dem Christentum widersprechen, besonders Verweigerungen des Milit rdienstes, kommen in letzter Zeit nicht nur in Russland, sondern berall vor. ... Die Sozialisten, die Kommunisten, die Anarchisten mit ihren Bomben, Aufst nden und Revolutionen sind den Regierungen lange nicht so gef hrlich, wie diese vereinzelten Menschen ... Die revolution ren Feinde k mpfen von au en mit der Regierung. Das Christentum aber ... ersch ttert von innen alle Grundlagen der Regierung." Tolstoi-Friedensbibliothek Reihe A, Band 9 (Signatur TFb_A009) Herausgegeben von Peter B rger
Die Reihe A der Tolstoi-Friedensbibliothek erschlie t in chronologischer Folge alle gr eren Einzelwerke aus dem religionsphilosophischen, theologischen und gesellschaftskritischen Schriftenkreis Leo N. Tolstois. In diesem ersten Band ediert Ingrid von Heiseler zwei bersetzungen der 1879-1882 entstandenen "Beichte" (Hermann von Samson-Himmelstjerna 1886, Raphael L wenfeld 1901). Beigaben aus der von Pavel Birjukov bearbeiteten Dokumentation "Tolstois Biographie und Memoiren" (1909) erhellen den Hintergrund der "Bekenntnisse" "Ich lebte auf meinem Gute und vertrank, verspielte und verschlemmte, was die Bauern erarbeitet hatten; ich strafte und peinigte sie, benutzte sie zu meinen Ausschweifungen, verkaufte und betrog sie, und f r alles das wurde ich gelobt. ... Zu jener Zeit bin ich im Kriege gewesen und habe gemordet und zur selben Zeit begann ich zu schreiben, aus Hoffart und Hochmuth ..." Peinliche Selbstbezichtigung bildet mitnichten das Zentrum des Werkes. In seinen Tagebuchaufzeichnungen vom April 1881 vermerkt Tolstoi: "Vor zwei Jahren bin ich Christ geworden ... Dar ber habe ich ein ganzes Buch geschrieben ... Dieses Buch, so wurde mir gesagt, kann nicht gedruckt werden. Will ich die Liebe einer Dame zu einem Offizier schildern, dann darf ich das; will ich von der Gr e Russlands schreiben und Kriege besingen, so darf ich das durchaus ... Dieses Buch hingegen, in dem ich berichte, was ich erlebt und gedacht habe, drucken zu wollen, ist geradezu undenkbar ... Ein erfahrener Redakteur hob abwehrend die H nde: Daf r w rden sie meine Zeitschrift verbrennen und mich gleich mit." Tolstoi-Friedensbibliothek, Reihe A, Band 1 (Signatur TFb_A001) Herausgegeben von Peter B rger